Jürgen P.: Audi 100, Text, Fotos
Oliver E.: Mercedes 200, Fotomodell
Da ist er nun, zwar mindestens 30 Jahre zu spät für die Neuwagenkäufer, aber für die Oldiefans umso interessanter: der große Vergleichtest zwischen den beiden Brüdern Audi 100 C1 (1969-1976) und Mercedes 200 W115 (1968-1976).
Brüder? Wieso Brüder? Das ist schnell erzählt: Daimler Benz erwarb 1958 die kränkelnde Auto Union mit dem Ziel mit dieser Marke ein neues Segment unterhalb der eigenen Fahrzeugklasse zu erschließen (man war noch weit davon entfernt, an sowas wie eine A-Klasse auch nur zu denken!). Doch man scheiterte bei der Durchsetzung der notwendigen Unternehmensreformen, warf frustriert das Handtuch und war froh, den ganzen Laden 1965 an VW weiterverkaufen zu können. Als Mitgift verblieb bei der Auto Union außer dem bei Mercedes entwickeltem Mitteldruckmotor (der dann 1965 den ersten Audi antreiben sollte) auch eine eingespielte Entwicklungsmannschaft rund um Dr. Ludwig Kraus, die komplett von Stuttgart nach Ingolstadt gewechselt war, um dort mal endlich zeitgemäße Automobile zu entwerfen, denn bis dato baute man noch Karossen im Vorkriegsdesign die von asthmatischen Zweitaktern mehr schlecht als recht in Schwung gebracht wurden...
VW wollte aber keine neuen Autos, sondern nur neue Produktionshallen für den Käfer und so gab es ein Entwicklungsverbot vom VW-Chef Heinrich Nordhoff. Der neue Audi, der sich als Audi 60, 75, 80 und Super 90 ganz erfolgreich verkaufte, durfte noch etwas Geld verdienen, aber das sollte es dann auch gewesen sein...
Gegen dieses Entwicklungsverbot opponierte man in Ingolstadt, indem man heimlich, quasi hinter dem Vorhang, ein neues Modell entwickelte, nämlich den Audi 100. Heinrich Nordhoff hat noch kurz vor seinem Tod 1968 das Fahrzeug gesehen, erst getobt, dann für gut befunden und die Produktion erlaubt, wenn es anders gewesen wäre, wäre Audi vermutlich gestorben und VW gleich mit...
Auch bei Mercedes war man nicht untätig gewesen. Da die 1959 im Flossenwahn erschienen Heckflosse W110 bereits optisch uralt aussah, erwartete das Publikum sehnsüchtig den Nachfolger. Dieser war ein Riesensprung nach vorn. Der Strichacht genannte W115 (W114 bei den Sechszylindern) war ein technisch anspruchsvolles und zeitlos schönes Auto mit umfangreicher Sicherheitsausstattung, u.a. Scheibenbremsen rundum, als man bei VW noch mit vier Bremstrommeln vorlieb nehmen mußte.
Also standen auf der IAA 1968 zwei neue Autos, die gleichermaßen das Interesse das Publikums erweckten. Zwei große viertürige und ausreichend motorisierte Limousinen der 4,60m-Klasse mit den damals noch übligen üppigen Kofferaumverhältnissen und dem Anspruch, der grundsolide Begleiter des besserverdienenden Angestellten oder Selbständigen zu werden.
Und jetzt wollen wir mal für die Nachwelt klären, was denn den Käufer damals erwartete, wenn er die Wahl zwischen den beiden Autos hatte. Es soll ja vorgekommen sein, daß sie auch noch nebeneinander im Verkaufsraum standen. Vier Jahre nach dem Verkauf durch Mercedes gab es immer noch Händler, die beide Marken vertrieben.
Angetreten sind ein ahorngelber Mercedes 200, Baujahr 1971 also vor dem Facelift des Jahres 1972, bei dem der kleine Mercedes optisch etwas der neu erschienen S-Klasse W116 angepaßt wurde und ein iberischroter Audi 100 LS Baujahr 1975, also nach dem ebenfalls 1972 mit Einführung des Audi 80 erfolgten Facelift.
Der Mercedes hat in den 34 Jahren seines Lebens erst 116.598 km gesammelt, der Audi in 30 Jahren sogar noch weniger, nämlich erst unglaubliche 67.118 km. Die Herbstsonne belegt dies, weil es ihr nicht gelingt, die typischen Steinschläge auf der noch mit dem Aufkleber mit den Einfahrvorschriften verzierten Originalfrontscheibe aufglitzern zu lassen, die sich spätestens bei 167.000 km bemerkbar gemacht hätten. Man ist bei Autos dieser Baujahre leider auf solche Detektivarbeit angewiesen - die Kilometerzähler waren damals noch durchweg 5-stellig...

Genau die zwei richtigen Kandidaten also, für einen schöne Ausfahrt an einem sonnigen Herbsttag. Die knalligen Farben der 70er wetteifern dabei mit dem bunten Herbstlaub und fügen sich harmonisch ins Bild. Silberne Autos vor bunten Wäldern? Besser nicht...
Design |
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| Der Mercedes Strichacht ist das letzte Auto mit Resten von Vorkriegsdesign. Ansätze frei modellierter Kotflügel, die durch die vertikalen Scheinwerfer betont wurden (unter deren Abdeckungen sich auch die Blinker und die serienmäßigen Nebelscheinwerfer befinden) und eine ausmodellierte gewölbte Haube, die in einem sich mächtig gegen den Fahrtwind stemmenden Kühler endet, auf dessen Mitte wie eine Monstranz der Stern auf einem als Kühlerschraubverschluss gestaltetem Sockel thront - das war 1968 alles, nur nicht modern! Der konservativen Kundschaft gefiel es. Der Strichacht war ein Verkaufsschlager. 1,9 Millionen wurden gebaut, mehr als die Vorgänger 170V, Ponton und Flosse zusammen genommen. | Der Audi 100 hat gar kein Vorkriegsdesign - im Gegenteil. Mitte der 60er war nichts moderner, als die sogenannte Trapezlinie. Wer optisch dynamisch daherkommen wollte, brauchte ein kantiges Auto mit nach vorn geneigtem flachem Kühlergrill, der am besten noch ein paar Doppelscheinwerfer umschloss. Die Haube bekam eine scharfe Mittelkante, die die Luft optisch pfeilschnell zerschneiden sollte. BMW hat dieses Design erst mit dem neuen 7er aufgegeben. Mitte der 60er waren fast alle Autos so gestaltet: Der Opel Rekord, der Ford 17M, der Fiat 2300 und natürlich auch der neue Audi 100. Wie anders der Mercedes da war, kann man ahnen... Nun, der Audi kam an, auch mit Breitbandscheinwerfern, denn die dynamischen Doppelscheinwerfer blieben dem Coupe und dem mit dem 115 PS-Motor des Coupes ausgestattetem Topmodell Audi 100 GL vorbehalten. 850.000 Käufer konnten sich für den dynamischen Audi erwärmen. |
Platzverhältnisse |
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| Die Platzverhältnisse in beiden Auto sind vorbildlich und großzügig. Ein nennenswerter Unterschied ist nicht auszumachen. Der Mercedes bietet etwas mehr Innenbreite... | ... der Audi hingegen etwas mehr Innenraumlänge - Ein Effekt des platzsparenden Frontantriebs. Die 1,85 m große Testperson (mit zeitgenössischer Haartracht) sitzt überall bequem. Der Audi hat eine Spur mehr Knieraum hinten. |
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| Der Mercedes hat einen 530 Liter großen, glattflächigen und gut zu beladenen Kofferraum, der allerdings relativ flach ist. Auch ist die Reserveradposition rechts stehend nicht optimal. Dennoch ist der Strichacht der Star vorm Getränkemarkt. 11 Wasserkasten passen hinten rein. Die unverkennbare Verwandtschaft zeigt sich erneut an den identischen Heckdeckelscharnieren. Bei beiden Autos öffnen die Heckdeckel mit dem identischen Knarzen der Federn. Am Klang im Dunkeln sind sie jedenfalls nicht zu unterscheiden... | Der Audi hat einen noch größeren Kofferraum, nämlich 590 Liter. Vor allem bietet er eine größere Höhe. Das Reserverad ist hinten untergebracht, wo es nicht störend im Weg steht, aber bei vollem Kofferraum auch schlecht erreichbar. Praktisch beim Audi: seitliche Blechtaschen für Werkzeug etc. Denkbar unpraktisch: ein freies Tankrohr. Der Kofferraum ist insgesamt etwas verwinkelter und bietet damit eine geringere Grundfläche. Es reicht nur für 9 Wasserkästen. Für's Urlaubsgepäck bieten beide jedenfalls üppigen Platz. Kein Vergleich zu den winzigen Abteilen mancher Neuwagen... |
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| Damalige Karosserien waren noch so gestaltet, daß Einparkhilfen oder anderes Gedöns gänzlich überflüssig waren. Selbstverständlich sieht man beim Schulterblick bei beiden Autos die Kofferraumabschlußkante. Große Scheibenflächen anstelle der aktuell modernen Schießscharten lassen die Herbstsonne ins Wageninnere und erzeugen insgesamt eine helle, freundliche Athmosphäre sogar im schwarzen Innenraum des Mercedes. Der Audi wirkt noch heller, was vor allem auf die Klarverglasung und die fehlenden Kopfstützen zurückzuführen ist. Der Test-Mercedes erhielt erst dieses Jahr einen Colorverglasung. | |
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Beide Autos sind für ihre Größe erfreulich handlich. Am Beispiel des Audis zeigen wir den kleinen Wendekreis. Der Mercedes benötigt etwa 40 cm mehr, kommt aber auch noch auf dem Pflaster zum stehen. Beide Autos haben keine Servolenkung, die jeweils extra bezahlt werden mußte. Im Fall der Basismotoren mit dem überschaubaren Gewicht kann man auch gut darauf verzichten.
Insbesondere beim Fahren erfreuen beide Autos ihre Fahrer mit einer präzisen spielfreien Lenkung. Der Federungskomfort ist bei beiden Autos sehr gut, wobei der Audi etwas besser auf der Straße liegt und deutlich direkter zu fahren ist. Seit dem Facelift des Jahres 1972 hatte der Audi ein Fahrwerk, daß damals von den Tester in den allerhöchsten Tönen gelobt wurde. Die Lenkung war seitdem mit einem negativen Lenkrollradius ausgestattet, was einen narrensicheren Geradeauslauf selbst bei einseitig ziehenden Bremsen zur Folge hatte. Beide Fahrzeuge haben ein Zweikreisbremssystem. Beim Audi sind die Räder diagonal gekoppelt, beim Mercedes achsweise. Der Mercedes hat vier Scheibenbremsen, der Audi nur vorn. Seine Bremsen sind darum für heutige Verhältnisse nicht besonders gut. |
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Bedienung |
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Der Benz gibt seinem Besitzer kaum Rätsel auf. Benz-typische Eigenarten wie die Fußfeststellbremse und der etwas überfrachtete Kombihebel finden sich auch heute noch in den Produkten des Hauses. Der Mercedes wirkt insgesamt etwas trist. Holzapplikationen waren den Sechszylindern vorbehalten. Die Käufer der Basismodelle mußten mit Kunststoff vorlieb nehmen. Entschädigt wird das Auge mit dem erfreulichen Blick auf zahlreiche Chromteile, die den Aufenthalt im Mercedes zu einer erfreulichen Angelegenheit machen. Das riesige Bakelitlenkrad liegt gut in der Hand, alles strahlt eine erlesene und geradezu unzerstörbare Verarbeitungsqualität aus.
Mercedestypisch läßt sich die Heizung für links und rechts getrennt regeln. Die Wirksamkeit der Heizung und Lüftung ist bei beiden Testfahrzeugen sehr gut. Der Test-Mercedes glänzt noch mit serienmäßigen Ausstellfenstern, die allerdings ab 1972 nicht mehr erhältlich waren. Beim Audi mußten sie extra bezahlt werden, waren aber bis zum Produktionsende verfügbar. An Ablagen bietet der Mercedes seitliche Türtaschen und eine Mittelablage hinter der Schaltung, sowie ein leider sehr kleines Handschuhfach. Das Getriebe schaltet sich hakelfrei, weist aber für heutige Verhältnisse lange Schaltwege auf - damals waren Schaltstöcke aber im Regelfall noch erheblich länger! Die Mittelschaltung galt als sportlich. Konservative Kundschaft orderte auch gern die Lenkradschaltung. Der breite Getriebetunnel trennt Fahrer und Beifahrer. Erstaunlichweise gab es aber die Möglichkeit den Wagen als 6-Sitzer zuzulassen, wenn er mit Lenkradschaltung ausgestattet war. Dann wurde ein paßgenaues Sitzkissen in die Mittelablage gelegt und die Mittelarmlehne bildete die Rückenlehne. Diese abenteuerliche Lösung würde heute kein TÜV der Welt mehr genehmigen und sie dürfte auch sehr unbequem gewesen sein.
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Der Audi ist erheblich freundlicher gestaltet. Alle Modelle waren mit einem großzügig mit Holzfurnier versehenem Armaturenbrett ausgerüstet. Holz findet sich auch rund um die Instrumenteneinheit und auf dem im Vergleich zum Mercedes etwas kleinerem Dreispeichenlenkrad. Allerdings wirkt das Holz etwas billig, kein Vergleich zu dem hochglanzpoliertem Zebranoholz, das in einem Mercedes anzutreffen ist - wenn es denn anzutreffen ist...
Insgesamt wirkt beim Audi alles filigraner als beim Solidität ausstrahlendem Mercedes.
Die Ähnlichkeit des Armaturenbretts beider Fahrzeuge fällt sofort ins Auge. Das liegt vor allem an der sehr ähnlichen Instrumenteneinheit. Der Mercedes trägt den Tacho rechts und die Kontrollinstrumente links, beim Audi ist es umgekehrt. Die Position der Zeituhr ist identisch in der Mitte oben. Darunter findet sich beim Audi ein Platz für den als Extra erhältlichen Drehzahlmesser, der durch ein Schaltschema verblendet ist. Eine Besonderheit des Audis sind versteckte Frischluftausströmer oberhalb der Instrumenteneinheit fahrerseitig und unter der Armaturenbrettauflage beifahrerseitig. Außerdem läßt sich die Ventilatorleistung für oben und unten getrennt regeln. Die Heizung kann jedoch nicht wie beim Mercedes getrennt für Fahrer und Beifahrer eingestellt werden. Für den Scheibenwischer (schon mit Intervall) findet sich ein zweiter Lenkstockhebel rechts. Das Radio ist an einer sehr unpraktischen Stelle untergebracht, wo es nur vom Beifahrer gut bedient werden kann. Dafür glänzt der Audi mit Ablagen. Gleiche mehrere Atlanten im Din A4-Format lassen sich spielend in den zahlreichen Ablagen und dem sehr großen Handschuhfach unterbringen. Hier bleibt kein Wunsch offen. Das Getriebe schaltet sich kurz und knackig, aber etwas hakelig. Zu Beginn (1969) hatte der Audi serienmäßig Lenkradschaltung und die Mittelschaltung kostete als sportliches Extra Aufpreis. Hier handelt es sich um ein Fahrzeug von 1975, also einem späten Jahrgang, bei dem die Mittelschaltung serienmäßig war. Mit Lenkradschaltung besaß der Audi keinen Mitteltunnel und man konnte bequem vom Fahrer zum Beifahrersitz durchrutschen. Trotz dieser idealen Voraussetzungen für die noch in den 60er oft anzutreffende Sitzbank vorn, gab es beim Audi nur Einzelsitze. |
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Interieur |
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| Die Ähnlichkeit beider Auto ist im Detail unverkennbar. Man sieht dem Audi an Detail wie den Sitzen, den Armaturen oder Türgriffen die Mercedes-Gene an. Bei beiden Autos erlauben die Sitze ermüdungsfreies Reisen auf Langstrecken. | |
Antrieb |
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Beide Fahrzeuge haben ein grundsätzlich verschiedenes Konzept: Der Mercedes hat einen mittig auf der Achse längs plazierten Graugußmotor, der seine Kraft über Kardanwelle und Differntial klassisch an die Hinterräder weitergibt. Der Audi hat einen ebenfalls längst, aber seitlich geneigt eingebauten Frontmotor, der vor der Vorderachse sitzt und die Vorderräder antreibt. Beide Testwagen verfügen über die jeweilige Basismotorisierung.
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Der Mercedes hat einen 2 Liter großen Vergasermotor (M115), der eigens für den Strichacht entwickelt wurde und 94 PS entwickelt. Der Motor war auch als 230 mit 109 PS erhältlich. Beide Versionen wurden noch in den ersten Jahrgängen des Strichacht-Nachfolgers W123 verbaut und 1980 durch den Motor M102 ersetzt.
Mit dem kleinen M115 ist der Mercedes erstaunlich gut motorisiert. Die kurze Hinterachsübersetzung von 3,91:1 ermöglicht zügiges Beschleunigen, wenn auch der Audi noch etwas flotter ist. Hier macht sich das höhere Gewicht bemerkbar. Der Motor läuft sehr leise, was wohl auch auf die gute Fahrzeugdämmung zurückzuführen ist. Komfort, nicht Sportlichkeit stand hier eben im Vordergrund.
Weitere im W115 erhältliche Motoren waren die Sechszylinder-Benziner 230.6, 250, 280 und 280E sowie die Dieselmotoren 200D, 220D, 240D und 240D 3.0. Damit bot der Strichacht eine bemerkenswert breite Auswahl an Antrieben mit Leistungen zwischen 55 und 185 PS. |
Der Audi besitzt einen relativ kleinen und leichten Motor. Aus nur 1,6 Liter Hubraum entwickelt er 85 PS. Die Gemischaufbereitung übernimmt dabei ein Solex Fallstromregistervergaser.
Diese Maschine wurde für den Audi 80 entwickelt und dürfte wohl einer der erfolgreichsten und besten Motoren aller Zeiten sein. Denn dieser Motor 827 befeuerte im VW-Konzern über rund 20 Jahre hinweg alle Golf, Passat, Scrirocco, Audi 80 und Audi 100, sowie als Diesel (jawohl, das ist auch die Basis für den 1,6 Liter Diesel) sogar den VW Bus. Zuletzt im Golf III Cabrio.
Zu dem Motor gibt es kaum Nachteiliges zu berichten. Er ist sparsam, drehfreudig und unkaputtbar, nur braucht er grundsätzlich etwas Öl und ist etwas brummig.
Dieser Motor wurde ab 1972 im Audi 100 angeboten und löste die bis dahin verbauten Motoren mit 80 und 90 PS ab.
Der Audi ist damit flott unterwegs. Tacho 180 sind drin, allerdings dreht der Motor dann ins Unermeßliche, denn die Übersetzung im 4.Gang ist 4,00:1. Das will man dem alten Wagen nur ungern antun... Grundsätzlich braucht der Motor aber Drehzahlen. Erst jenseits von 3000 Umdrehungen wird er richtig wach und bringt den leichten Audi ordentlich auf Trab. Dabei klingt er kernig und ist stets präsent. Das verstand man wohl damals unter Sportlichkeit.
Im überschaubaren Motorenangebot des Audi waren außerdem noch die Mitteldruckmotoren mit 100 PS aus 1,8 Liter und 112 PS aus 1,9 Liter (115 PS im Coupe) erhältlich. Dieselmotoren waren nicht verfügbar. |
An der Tankstelle
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| Die 94 Pferdestärken des Mercedes 200 genehmigen sich üblicherweise 10-11 Liter auf 100 km - 98 Oktan natürlich. 95 Oktan mag er auch, aber erst wenn man den Zündzeitpunkt zurücknimmt und damit die Leistung etwas reduziert. Werte unter 10 Liter sind grundsätzlich nur bei äußerst zurückhaltender Fahrweise zu erzielen. | Der Audi 100 ist dagegen ein echter Kostverächter. Seine 85 PS sind mit 8 Liter zufrieden zu stellen. Wer er gemütlich angehen läßt, kommt auch mit 7,5 Liter aus - und zwar Normalbenzin! Erstaunlicherweise ist der Motor sogar für nur 88 Oktan ausgelegt, was ihn damals auch für Reisen durch den Ostblock mit seiner üblen Spritqualität qualifizierte. |
Datenblatt |
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Technische Daten Mercedes 200Vier Zylinder Ottomotor längsHinterradantrieb Hubraum 2,0 Liter Leistung 94 PS bei 5000 U/min Drehmoment 156 Nm bei 2800 U/min Vmax ca 165 km/h Verbrauch ca 10 L/100 km Superbenzin Leergewicht 1390 kg Maße: L x B x H: 4680 x 1770 x 1440 mm |
Technische Daten Audi 100 LSVier Zylinder Ottomotor längs vor der VorderachseFrontantrieb Hubraum 1,6 Liter Leistung 85 PS bei 5800 U/min Drehmoment 124 Nm bei 3500 U/min Vmax ca 170 km/h Verbrauch ca 8 L/100 km Normalbenzin Leergewicht 1050 kg Maße: L x B x H: 4590 x 1729 x 1421 mm |
Fazit |
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| Schöne Autos sind sie beide. Einerseits ist die Wahl zwischen beiden ein Stück Geschmacksfrage, andererseits auch wieder nicht, denn der Mercedes wirkt zwar optisch älter, aber beim Fahren moderner. Er ist das eindeutig erwachsenere Auto, in dem man sich auch heute noch jeden Tag gut aufgehoben fühlen kann. Der Audi wirkt fragiler, lauter und oldtimermäßiger, er ist kein Auto für jeden Tag - erst recht nicht angesicht der mangelhaften Ersatzteilversorgung. Das Auto ist bei VW/Audi schlicht komplett gelöscht. Es gibt keinerlei Unterlagen oder Bestellmöglichkeiten mehr. Nur durch private Initiative wird die Teileversorgung sichergestellt. Bei Mercedes hingegen bekommt man fast alles problemlos zumindest alle relevanten Verschleißteile. Nicht zuletzt darum ist der Audi fast vollständig verschwunden (Restbestand beim KBA 2004: ca 1000 Stück) während der Mercedes noch häufig anzutreffen ist (Restbestand 2004 ca 13.000 Stück). Das stellt aus der Sicht des Oldtimer-Sammlers von heute keinen Nachteil für den Audi dar... | |