Das schönste am W123: Die Szene dazu!

Es gibt sicher 1000 Gründe, warum man Gefallen an einem Auto finden kann und 1001, warum speziell am W123. Der entscheidende Grund mehr ist die große und hilfsbereite Szene, die sich um dieses Auto gebildet hat.

Es gibt sicher interessantere, seltenere, bewunderswertere Autos als den W123, aber es dürfte schwierig werden eines zu finden, bei dem der nächste Fan mit Sicherheit nur ein paar Straßen weiter wohnt und gerne mal abends zum Schrauben vorbeikommt. Dieser soziale Aspekt am W123-Besitz ist sicher der wichtigste Grund, einen zu besitzen. Denn was nützt einem ein faszinierender exotischer Oldtimer, wenn es nur drei weitere Besitzer dazu gibt und der nächste Eigner, mit dem man dazu Fachgespräche führen kann 400km weit weg wohnt... Vergleichbares erlebt man sicher nur mit einem Käfer oder Bulli, einer Ente oder anderen typischen weitverbreiteten Kultautos.

Die "Generation Golf", also die Leute um die 30, sind es vor allem, die heute einen Mercedes W123 fahren (von den Erstbesitzern mal abgesehen, die es ja auch noch reichhaltig gibt). Und es sind viele. Sehr viele! So viele, daß man kaum befürchten muß, daß der Gesamtbestand an W123 in Deutschland nennenswert unter die 10.000er-Marke fallen wird, denn so viele Autos befinden sich gewiß schon in Liebhaberhand. Und all diese Leute suchen natürlich den Kontakt zu Gleichgesinnten. Man trifft sich auf Stammtischen, im W123-Forum, auf Jahrestreffen der Clubs oder einfach nur so im kleinen Kreis. Und meist stellt man mit Überraschung fest, daß "gleichgesinnt" keineswegs nur auf die Wahl des Autos zu münzen ist. Freundschaften werden geschlossen, andere gemeinsame Hobbies und Interessen entdeckt und so mancher bemerkt irgendwann, daß er eigentlich nur noch Leute zum engeren Freundeskreis zählt, die "zufällig" das gleiche Auto fahren...

Der große Nachteil daran: man puscht sich sozusagen gegenseitig hoch. Das Auto nimmt schnell einen höheren Stellenwert ein, als es eigentlich sinnvoll ist.

Eine weitere Gefahr: dauernd bekommt man andere schöne Autos zu Gesicht, da werden schnell Begehrlichkeiten geweckt und wenn dann noch ein schönes Exemplar zu kaufen ist, läßt man die Vernunft außen vor und kauft schnell mal eins zuviel... So kann man es schon fast als Regelfall bezeichen, daß das typische Szenemitglied mehr als einen W123 besitzt.

Auf alle Fälle kann Altmercedesfahren als eine Art Lebenseinstellung bezeichnet werden. Hier treffen sich keine jugendlichen "Spinner", der tiefer-breiter-lauter-schneller-Kategorie. Hier wird meist auf Originalität geachtet und wenn nicht, dann geht es nie um Tuning im klassischen Sinne. Kurz: hier geht es passend zum Auto eher stil- und niveauvoll zu.

Und diese Erweiterung des persönlichen Freundeskreises um unzählige nette Menschen macht den größten Suchtfaktor an W123 aus.


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