Der Marktwert des W123 hat seinen Tiefpunkt bereits durchschritten. Die Preise ziehen wieder deutlich an.
Zum Markt gehören dabei bekanntlich Angebot und Nachfrage. Nun, die Nachfrage nach W123 ist nach wie vor hoch und steigt weiter, nachdem der W123 in der Augen immer mehr Menschen zum Klassiker reift. Das Angebot hingegen wird immer geringer, denn nachdem jahrelang alle W123 in den nahen Osten oder nach Afrika "entsorgt" wurden, sind die guten Exemplare inzwischen rar geworden. Ein Problem stellt auch dar, daß der Käufer heute meistens Ausstattungsanforderungen an seinen Mercedes stellt, die die Neuwagenkäufer nicht hatten. Damals kaufte man seinen 250er und hat vielleicht noch ein Schiebedach oder Automatik geordert, aber wer hat schon eine Klimaanlage, Lederausstattung oder ABS bestellt? Und heute wird das als Kaufkriterium genommen. Die vom mühevoll Ersparten gekauften 200er in Sparausstattung wurden von ihren Erstbesitzern, die sich ihren Traum so eben finanziell erfüllen konnten, gehegt und gepflegt und sind heute noch aus Erstbesitz zu kaufen, die Topversionen hingegen wurden von Leuten gekauft, die nicht auf's Geld achten mußten und in Gedanken schon wieder beim nächsten Wagen waren. Diese Autos - heute besonders gesucht - dienten dem Geschäftsmann 150.000 km in den ersten zwei Jahren und wurden dann in Zahlung gegeben und wanderten durch drei oder vier Hände, die das Auto finanziell zwar kaufen, aber nicht unterhalten konnten. Ergebnis: Top ausgestatteten Autos sind vergammelt oder restauriert und in fester Hand. Die nach dem Ableben der Besitzer verkäuflichen Ersthand-Daimler aus Opas Garage sind dagegen kaum mit dem "Notwendigsten" ausgestattet.
Wer also einen W123 kauft, sollte sich auch gedanklich damit "abfinden", daß sein Auto auch ausstattungsmäßig den 70ern oder 80ern entspricht. Man hatte eben meist nur 4-Gang-Schaltung und Fensterkurbel. Eine Klimaanlage war so exotisch wie eine Kreuzfahrtreise und alles was über Schiebedach, Servolenkung und Zentralverriegelung hinausgeht, ist schon erwähnenswert. Selbst bei der S-Klasse mußten Colorglas, rechter Außenspiegel oder Drehzahlmesser extra bezahlt werden!
Die Zeitschrift "Oldtimer Markt" veröffentlicht regelmäßig Tabellen mit den Notierungen nach "Classic Data". Diese entsprechen aber nach den Erfahrungen kaum der Realität und sind es nicht wert, hier veröffentlicht zu werden, da sich niemand finden wird, der seinen W123 im angegebenen Zustand zu dem Preis hergeben will. Als Faustregel darf gelten: Ein wirklich gutes Auto (Zustand 2 = Zustand eines etwa dreijährigen, gepflegten Gebrauchtwagen) kostet je nach Motorisierung und Ausstattung zwischen 2500 und 4000 Euro. Darüber sind vereinzelte Topexemplare angesiedelt, die - zumal als Coupe oder T-Modell - auch schonmal 6000 Euro kosten sollen. Ob das auch bezahlt wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Für 1500 bis 2000 Euro sollte man ein ordentliches, alltagstaugliches Exemplar mit überschaubaren Problemen bekommen, allerdings nur als Limousine. Ein T kostet im gleichen Zustand fast das Doppelte. Coupes liegen dazwischen. Unter 1000 Euro findet sich nur selten ein gutes Auto. Selbst Schlachtexemplare gehen kaum unter 500 Euro weg. Die Teile sind einfach zu wertvoll.
Zur Frage welches Modell empfehlenswert ist: Siehe Kaufberatung.