Mein 240D

mein 240D

Die Suche

Der berüchtigte Rubikon wird ja nur einmal überschritten. Bei Autosammlern ist es der Moment, wo in einem Haushalt mehr Autos als Führerscheine vorhanden sind. Deshalb war der 240D mein Rubikon. Er war das dritte Auto im Haushalt und eigentlich sollte es etwas ganz anderes werden....

Eigentlich wollte ich ja nur einen preiswerten W123 Diesel (200D oder 240D) für den Alltag, um meinen 200T zu schonen und außerdem meine hohe Jahresfahrleistung durch Einsatz eines pflanzenölbetriebenen Diesels erheblich preiswerter zurückzulegen. Aber wie so oft: Die Suche nach einem akzeptablen Exemplar war entmutigend. W123-Diesel im guten Zustand sind selten. Das waren meist Vielfahrerautos. Unter 300.000 km haben die wenigsten runter, Wenn man dann noch etwas Ausstattung sucht, bekommt man Preise zu hören, die in keinem Verhältnis zum angebotenem Auto stehen. Außerdem wußte ich ja nun durch die Erfahrung mit dem 200T, daß Autos im mäßigen Zustand die teuersten sind. Es gilt die Devise "Das beste Auto ist der beste Kauf". Außerdem bekommt man auf der Suche nach einem W123-Diesel Autos zu Gesicht, bei denen einem klar ist, daß man es dann doch nicht nötig hat, in so etwas herumzufahren...

Der Kauf

In der Szene sprach sich aber langsam rum, daß ich einen Diesel suche und so wurde mir durch die Vermittlung eines Freundes im April 2003 ein agavengrüner 240D angeboten. Was soll ich sagen: Das Auto befand sich in einem traumhaft gutem Zustand. Offensichtlich stets in liebevoller Hand gewesen, hatte es in den letzten 7 Jahren nur 12.000 km zurückgelegt. Die Gesamtfahrleistung betrug gerade 150.000 km, davon erst 25.000 km mit einem 10 Jahre zuvor eingebautem Austausch-Motor, nachdem der Originalmotor aufgrund einer unsachgemäß gewechselten Steuerkette und dem erfolgten Riß einen Totalschaden erlitten hatte. Die Polster präsentieren sich neuwertig. Eine Zigarette ist in diesem Auto sicher niemals geraucht worden. Die Ausstattung war auch recht ordentlich, der Preis günstig und so konnte ich nicht nein sagen. Aber von einem Wagen für den Alltagseinsatz war ich weiter entfernt denn je, denn dafür war er definitiv zu schade. So muß mein braver 200T weiter den Alltag meistern, während der 240D mit Saisonzulassung ein entspanntes Oldtimerdasein mit vierstelligen Jahreskilometern führt.

Und noch etwas hat dieser 240D bewirkt: Ich bin zum begeisterten Dieselfahrer geworden! Die Ruhe und Gelassenheit, die so ein alter Vorkammerdiesel ausstrahlt, überträgt sich auch auf den Fahrer. Wenn man beim 240D die Tür zuschlägt, die Vorglühanzeige beobachtet und nach ihrem Erlöschen und einer Schlüsseldrehung der Diesel vorne erwacht, dann ist alle Hektik ausgesperrt. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 143 km/h wird zwar vom Wagen locker übertroffen (Tacho 160) aber das sind theoretische Werte. In der Praxis ist man mit 120 km/h entspannt unterwegs und läßt die Landschaft vorbeigleiten. Das vernehmliche, aber beruhigende Nageln aus dem Motorraum singt das Lied "Ich bring Dich heim" und die Aussicht auf eine 1000 km Fahrt erscheinen wie eine Verlockung. Dabei erfreut der 240D seinen Besitzer an der Tankstelle mit Werten um die 8 Liter. Kurz: ist der W123-Benziner schon ein begeisterndes Auto, stellt der W123-Diesel ein Suchtpotential dar.

Daten meines 240D


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