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| D R U C K V E R S I O N | ||||||||
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K L A S S I K E R Mercedes-Benz 280 CE - Verprollte Rentnerträume mit Klassikertugenden Von Mathias Paulokat Sie waren das lang ersehnte Gefährt in die Jahre gekommener,
finanzkräftiger Pensionäre, die den monatlichen Rentenzahlungen mit ihrem
Ausgabeverhalten nicht beikamen, nun aber endlich mit metallicfarbenen
Mercedes 280 CE ihren Sommerhut hinter der Heckscheibe zum Kaffeekränzchen
ausfahren konnten.
Freude am Fahren Die Zeichen am Sternenhimmel standen in jener Epoche allerdings vielmehr auf Sicherheit und Perfektion, als Resultat hochgradig ambitionierter wissenschaftlicher Forschungsarbeit. Die Verkaufsprospekte stellten das Sicherheitskonzept des Fahrzeugs vornan, auf die ersten Seiten noch vor den in jener Zeit obligatorischen ausklappbaren Großformatfotos des Coupés. Mit den Crashaufnahmen, den Deformationsskizzen und Textpassagen in sperriger Ingenieurssprache erhielten die Broschüren den emotionslosen Duktus von Beschreibungen für Laborversuchsanordnungen: "Die für Mercedes typische Fahrkultur beruht auf einer perfekten Synthese aus Fahrsicherheit, Fahrkomfort, Fahreigenschaften und Motorleistung. (...) Das Auto als Ergebnis wissenschaftlich erforschter Zusammenhänge beim Fahren. Es hat das Ziel, in dem Funktionsdreieck Fahrer-Fahrzeug-Straße entlastend zu vermitteln." Legaldefinitionen á la Mercedes. Freude am Fahren würde man heute wohl andernorts leicht und locker formulieren. Das indes wäre ehedem viel zu banal gewesen. Der wissenschaftliche Anspruch des guten Sterns auf allen Straßen verlangte ungeteilte Strebsamkeit und Schrauberschweiß. Per aspera ad astra, der Weg zu einem guten Mercedes kostete den Erfindern erhebliche Mühen. Und sie machten keinen Hehl daraus.
Prollige Plastikbomber statt Modellbausätze Dennoch: Selbst den 280er Coupés blieb eine späte Schmach nicht erspart. Als die Gebrauchtwagenpreise gegen Ende der achtziger Jahre auf dem Niveau eines Opel Kadett Jährlings anlangten, stellten sich Deutschlands Bastelkönige die Zweitürer mit Stern auf den Hof. Bei AMG, BBS und Lorinser bestellten sie alles, was ihren Mercer breiter, tiefer und schneller machen sollte. Ganz Wilde montierten sich noch die SEC Haube, die Großsternklappe der S-Klasse Coupés, auf den Vorderwagen. Tatsächlich gelang den Sprühdosenlackierern so, aus einem eleganten Fahrzeug einen prolligen Plastikbomber zu kleben. Tuning nannten sie diesen Frevel. Hätte man ihnen doch bloß mehr Modellbausätze gereicht. Doch das Tal der Tränen scheint mittlerweile endgültig durchfahren. Auch wenn viele 280er dort nicht mehr herauskamen, nach unentwegt hochgepeitschtem Drehzahlmesser auf der Strecke verendeten. Diejenigen aber, die von den Malträtierungen verschont blieben, mausern sich nun zum echten Klassiker: Die sprungbereite, kraftvolle Silhouette mit vollversenkbaren Seitenfenstern, drei chromumfasste Rundinstrumente im Cockpit, ein großes Lenkrad, der unkaputtbare Doppelnocker unter der Haube und eine rundherum vorbildliche Verarbeitung setzen hohe Qualitätsmaßstäbe im Youngtimersegment. Knackpunkte der gebrauchten 280er bleiben Lenkgetriebe, Hinterachsfedern, Spurstangen, Klimakompressoren, hydraulische Zentralverriegelungen und auch die Automatikgetriebe. Originalzustand als größtes Glück Wahre Coupéliebhaber schreckt das keineswegs ab. Rund 10.000 Mark zahlen sie für erhaltenswerte Fahrzeuge. Sie tun gut daran. Nach einem besseren Preis-Leistungsverhältnis muss man bei Youngtimern lange suchen. Ehrliche 280er sind ihr Geld vollends wert. Die sprichwörtlich rentnergepflegten Coupés allerdings sind rar geworden. Und wenn ein noch junger Mercedesfahrer das Glück hat, ein unverbasteltes Exemplar zu ergattern, dann wird er alles tun, um den Originalzustand zu bewahren. Begegnet man einem solchen Fahrzeug im Straßenbild, greift man - eh man sich versieht - zur Ausdrucksweise der Mercedes-Stilisten: "Das Mercedes Coupé. Das Mercedesfahren ist um dieses Auto schöner geworden." Wer hätte das geahnt. Sie haben eben doch Recht behalten, die Sindelfinger.
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