1981 bestellte Heinz Ott in Nürnberg einen Mercedes 200. Sechsmal wurde das Auto seitdem verkauft und steht nun in Dresden – eine deutsche Geschichte
„Die Karosserie wirkt kompakt und schlank, fern von jeder Biederkeit, die das alte Modell kaum verleugnen kann.“ Gert Hack, Fahrbericht des neuen Mercedes 200, Auto Motor Sport, 31. Januar 1976
Dresden, im Juni – Der Wagen steht ganz hinten, hinter den neuen Renaults, dort, wo der Parkplatz vom Autohaus „Motorama“ aufhört und die schlammigen Wiesen beginnen. Der Wagen ist saharagelb, wie das damals im Prospekt hieß, vor 20 Jahren: Ein 200er, Baujahr 1981. Der letzte Mercedes, dem die Träume der Bundesrepublik noch ins Blech gepresst waren: groß, schwer, mit viel Chrom außen und einem Innenraum, der immer ein wenig nach deutschem Wohnzimmer aussah und roch, nach Holz und Leder und Sonntagsbraten. Sogar die Hutablage ist mit braunem Teppich verkleidet. Das Lenkrad ist speckig, die Sitzbezüge sind an einigen Stellen abgewetzt, die Plastiklamellen um die runden Doppelscheinwerfer ausgebleicht, als hätte der Wagen viele Sommer lang auf einem schattenlosen Parkplatz in Antalya oder Beirut gestanden. Damals, in den achtziger Jahren, als in Beirut Krieg war, zeigten sie immer Bilder aus der zerbombten Stadt, in der noch ein paar Mercedes-Limousinen herumfuhren, und dann erklärte eine sonore Kriegsberichterstatterstimme, dass Beirut einmal „das Paris des Nahen Ostens“ gewesen sei. Als ob die Mercedes-Limousinen ein hinreichender Beweis dafür wären.
Gebaut wurde der Wagen 1981 in Sindelfingen, jetzt steht er in Dresden, und dazwischen liegen zwanzig Jahre und eine halbe Million Kilometer, Unfälle, Werkstattaufenthalte, Sandpisten, Schotter, aufgeweichter Teer, Schnee, fremde Namen, wechselnde Besitzer, verfallene Adressen, vierstellige Postleitzahlen, abgeschaffte Stempel, seltsame Kennzeichen, verschwundene Personen. Andreas Duschek, Autohändler bei Motorama, hat den Wagen vor zwei Jahren gekauft, für eine Mark.
Ob wir den Fahrzeugbrief mal sehen können?
Der Fahrzeugbrief ist das Gedächtnis des Autos, das Skelett seiner Biografie. Sechsmal ist der Wagen verkauft und neu angemeldet worden, in Nürnberg und Berlin und dann, kurz nach der Wiedervereinigung, in Hoyerswerda und Dresden. Aber mehr als den Ort der Zulassung, Namen und Postleitzahl des Halters verrät der Brief nicht. Kann man das Mosaik zusammensetzen, die Geschichte des saharagelben Mercedes erzählen? Wen findet man noch? Wo versanden die Geschichten?
Nürnberg, 12. 2. 1981. Halter: Heinz Ott. Kennzeichen: N-MX 254
In den Abendnachrichten kritisiert der SPD-Franktionsvorsitzende Herbert Wehner die Regierung von Helmut Schmidt; sie denke nicht an die Basis, sagt Wehner und bohrt mit dem Zeigefinger imaginäre Löcher in den tief hängenden Bonner Himmel. Eine Hochdruckzone verlagert ihren Schwerpunkt von Frankreich nach Süddeutschland. Die Tagestemperaturen erreichen Höchstwerte von fünf Grad. Nachts friert es. Am Abend des 12. Februar 1981 kommt Heinz Ott mit seinem Mercedes 200 nach Hause. Der Wagen riecht neu und gut, wenn Ott in den Rückspiegel schaut, sieht er den makellosen Chrom der Zierleisten blitzen. Ott ist an diesem Tag 52 Jahre alt, hat einen gut dotierten Job als kaufmännischer Geschäftsführer der Nürnberger Firma Kabelmetall Messing, eine Frau, eine zwölfjährige Tochter und einen brandneuen, silberdistelmetallicfarbenen Mercedes Benz 200, den er jetzt vor der hohen Hecke seines Bungalows parkt. Die Nachbarn schauen hinter ihren Sprossenfenstern hervor. Ihm ist das egal, es ist nicht sein erster Mercedes, und er bedeutet ihm nicht viel. Kein Statussymbol, eher eine fast zwingend logische Ergänzung seines üblichen Lebensstils: Familie, Bungalow, Benz. Heinz Ott arbeitet gern und schläft wenig. Otts Kollegen schätzen den Manager: ein fleißiger Mann, der nichts dem Zufall überlässt. Das zahlt sich aus. Ott verdient nicht schlecht, aber er ist sparsam und schreibt oft bis spät in die Nacht Rechnungen, träumt von Kabelmetallen und von Lochfraß bei reinem Kupfer. Das Geld, sagt er, verschwindet schneller, als man denkt. Seit den sechziger Jahren hat er jede Tankfüllung seiner Autos aufgeschrieben, den Durchschnittsverbrauch errechnet. Jede Rechnung liegt griffbereit in säuberlich aufgereihten Aktenordnern. Der neue Wagen, das hat Heinz Ott so schnell wie möglich ermittelt, verbraucht 13,8 Liter im Schnitt, bei maßvoller Fahrweise.
Heinz Ott lebt noch heute in Nürnberg-Feucht, kurz hinter dem Waldgasthof Rubas. Feucht sieht so aus, wie es klingt, ein brauner Wildschweinkopf grinst tief hängend über der Kneipe, als wolle er sagen: Versucht nur, über die kleinen Straßen wegzukommen, sie führen sowieso nirgendwo hin. Vor einer hohen Hecke steht ein Schild „Ott Bürosysteme“, dahinter das Haus von Heinz Ott. Durch die Rüschengardinen des Wohnzimmers schaut man über rote Dächer in den Morgennebel. An den Mercedes kann er sich erinnern, bis 1990 hat er ihn gefahren, „in den schlechten Jahren“. 1982, als der Wagen gerade ein Jahr alt war, hat die Kabelmetall in Nürnberg dichtgemacht. Ott verlor seinen Job. Seine Tochter war damals dreizehn. Ott hatte ein wenig Geld, eröffnete ein Büro für Bürosysteme, verkaufte die ersten Apple-Computer. „Da musste man neu anfangen mit 53. Da hatte man Angst, das Geld auszugeben. Deswegen haben wir den Mercedes auch so lange gefahren.“ Manchmal fuhren die Otts zum Skiurlaub, manchmal mit dem Bootsanhänger an den Attersee, ansonsten sparten sie das Benzingeld. „Ich bin kein Reisefreak“, sagt Heinz Ott. „So gut und zweckmäßig wie hier lebe ich nirgends sonst.“ Das sagt er wirklich: so zweckmäßig. Den silberdistelfarbenen Mercedes habe er 1990 verkauft, sagt er noch und sucht den entsprechenden Aktenordner: Hier, für 9000 Mark, an Moshe G., wohnhaft in der Bergfriedstraße 19, Berlin.
Berlin 14.6.1990; Fahrzeughalter: Moshe G. Überführungskennzeichen.
Moshe G. wohnt nicht mehr in der Bergfriedstraße und auch nicht mehr in Berlin. Er ist verschwunden, irgendwohin, nur eine alte Frau nebenan in dem Hochhaus in der Bergfriedstraße meint, sich erinnern zu können: ein freundlicher Mann mit dunklen Locken, der immer große Autos und immer neue Freundinnen hatte, die alle gleich aussahen. Groß. Dunkelhaarig. Meistens aus den neuen Bundesländern. Mit den Mädchen sei er dann ans Meer gefahren und an die Seen, und manchmal habe sie die eine oder andere nochmal alleine gesehen. Was hat Moshe in der kurzen Woche gemacht, in der er den Mercedes besaß?
Es hatte Gewitter gegeben in diesen Tagen, die Temperaturen waren gefallen auf 17 Grad. Hans Jochen Vogel sprach im Radio über seine Bedenken gegen den Vertrag mit der DDR, und Moshe G. verbrachte vielleicht sein Wochenende in den Dünen der Halbinsel Wustrow mit einem Mädchen aus Sangerhausen, das langsam einen Sonnenbrand bekam und von Zeit zu Zeit nach der bequemen silberdistelfarbenen Limousine schielte, die sie bis vor kurzem nur aus dem Westfernsehen kannte. Vielleicht war es so. Vielleicht hat Moshe G. den Wagen aber auch einfach nur in der Bergfriedstraße geparkt und eine Woche später wieder verkauft, die Wahrheit ist verschwunden, zusammen mit Moshe G.
Berlin, 20.6.1990, Halter Mohammed Kdyla Ramin. Kennzeichen: B-DT 6894
An diesem Tag wird die Rassentrennung in Südafrika formell aufgehoben; die Temperaturen fallen auf 12 Grad in der Nacht, atlantische Tiefausläufer bringen Regen und Sturm. Moshe G. verkauft seinen Mercedes an Mohammed Kdyla Ramin. Als Geburtsdatum des neuen Eigentümers wird im Fahrzeugbrief „00.00.62“ eingetragen. Vielleicht ein Asylant, vielleicht ein Ausländer, der seine Dokumente verloren hatte, heute ist er in Berlin nicht mehr ausfindig zu machen. Mohammed Kdyla Ramin jedenfalls verbrachte den Sommer mit dem distelfarbenen Mercedes: fuhr vielleicht in seine Heimat mit dem Wagen, besuchte Tanten am Ende von staubigen Sandpisten, bezahlte mit letztem Geld Benzin und Autobahnmaut, kam schließlich wieder an in Berlin, polierte den Mercedes auf Hochglanz, stand fassungslos in der Oranienstraße neben einem heruntergekommenen baugleichen Modell mit eingerußten Rückleuchten, das von irgendeinem Bomberjacken-Träger seinem allmählichen Ende entgegengefahren wurde. Vielleicht. Nach drei Monaten jedenfalls verkaufte Mohammed Kdyla Ramin seinen Wagen in ein fremdes Land, in dem es andere Kennzeichen und bisher keine Mercedes-Limousinen gab; verkaufte ihn für fast den doppelten Preis, den Heinz Ott ein paar Monate zuvor verlangt hatte, an Hermann B., Kolonialwarenhändler in Hoyerswerda.
Hoyerswerda, 20.9.1990. Halter: Hermann B., Kennzeichen ZA 95-29
In der Nacht sinken die Temperaturen auf 5 Grad. Der Sommer ist vorbei, und vielleicht beginnt für Hermann B. das Unglück an diesem Tag, als das Staatsemblem der DDR im Ostberliner Ministerratsgebäude abgehängt und der Palast der Republik wegen Asbestgefahr geschlossen wurde. An diesem Tag also, als der Abbruch der DDR begann, kaufte Herrmann B. Mohammed Kdylas Mercedes. Hermann B. lebte damals laut Fahrzeugbrief in einem kleinen Ort zwischen Dresden und Hoyerswerda; wenn man heute dort anruft, meldet sich eine mürrische Frau, die Lebensgefährtin von Hermann B.
„Guten Tag, ich recherchiere gerade die Geschichte Ihres alten Mercedes . . .“
„Warum denn das?“
„Er hat eine interessante Geschichte, erst hat ihn ein Nürnberger Manager gefahren, dann ein Asylbewerber . . .“
„Dafür können wir doch nichts! Ich habe jetzt keine Zeit. Sprechen Sie morgen mit meinem Mann darüber.“
Die Landschaft im Norden von Dresden ist sandig und weit; auf den Feldern zwischen den Birkenwäldern stehen ein paar Hochsitze wie böse Holzgiraffen, die Straßen sind gepflastert und führen in kleine Dörfer mit geduckten Häusern. Viele haben ihre Arbeit verloren in dem ehemaligen Braunkohle-Gebiet, nur im Radio kräht gutgelaunt ein Werbesängerchor, der mitteilt, es sei „alles in Obi“. An der Straße steht ein Kreuz, zwei Mädchen sind hier gestorben bei einem Autounfall, der Fahrer war auf dem nassen Kopfsteinpflaster bei 140 km/h ins Schleudern gekommen. Das sind die Geschichten, die sie einem erzählen vor dem Laden von Hermann B. Das Haus hat zwei Stockwerke, vor den Fenstern hängen Plastikblumenkübel ohne Blumen.
Hermann B. ist nicht da. „Kein Wunder“, sagt die Frau im Garten des Nachbarhauses. „Die hauen immer ab, wenn eine große Limousine vor dem Haus hält. Die haben Dreck am Stecken.“ Im Halbdunkel des Schaufensters sieht man einen Sack mit Hundefutter, Marke „Rufus mit Rind“. Auf der Packung grinst ein unsympathischer Hund über einem blutroten Schriftzug, der die Vorzüge des Rindfleischs erläutert. Neben dem Sack stehen ein Garderobenständer für 49,90 Mark und ein Eimer voller Sauerkraut. „Der Hermann konnte einem früher alles besorgen, Westunterwäsche, Cola, Ersatzteile“, sagt die Frau. „Aber nach der Wende haben sie einen Supermarkt gebaut hier, und jetzt kaufen nur noch ein paar Trinker bei ihm. Der macht jetzt krumme Geschäfte in der Tschechei.“ „Und der Mercedes?“ „Mit dem hat er sich über den Tisch ziehen lassen. Für den hat er 15000 bezahlt oder so. Und dann hat er ihn kaputtgefahren.“ Danach verschwindet die Frau in ihrem Haus, die Straße ist ruhig, nur das Gebiss von Rufus leuchtet grell aus dem Halbdunkel des Ladens hervor.
Ossling, 7.3.1996 Halter: Erika Makatsch, Kennzeichen: KM-RC 79
Ein skandinavisches Hochdruckgebiet bestimmt das Wetter in Deutschland. Tagsüber scheint die Sonne. Bauingenieur Joachim Makatsch sitzt zum ersten Mal in seinem Leben in einem Mercedes. Eigentlich wollte er den Wagen nicht haben, eigentlich wollte er einen weißen Cadillac, aber seine Frau war dagegen. Was willst du hier mit einem Cadillac, hatte sie gesagt und ihr Mann hatte lange über die Felder am Ortsrand von Ossling geschaut und auf die kleinen Feldwege, von denen einige bei weitem nicht so breit wie ein Cadillac waren; dann hatte er das Wrack des Mercedes 200 gekauft, der ein paar Ortschaften weiter beim Schrotthändler stand. Makatsch ist Autofan. Ein Auto reicht ihm nie, er fährt mit einem neuen Wagen durch die Gegend und denkt sich, was für ein schöner neuer Wagen – und dann sieht er zum Beispiel einen Cadillac und denkt sich hinein in die roten Ledersitze, sieht sich kurz in diesem anderen Leben und wird für zwei Sekunden ein kalifornischer Bauingenieur, der gerade in Santa Monica auf den Golfplatz fährt. Ein paar Wochen später parkt der reparierte Mercedes im Vorgarten der Familie Makatsch, jetzt saharagelb lackiert. Ein Mercedes müsse diese Farben haben, hatte Herr Makatsch erklärt, der zu DDR-Zeiten viele Sendungen im Westfernsehen gesehen hatte, in denen saharagelbe Mercedeslimousinen eine wichtige Rolle spielten.
Bei Makatschs zu Hause glänzt alles: das Parkett, der alte Strassfurt- Fernseher, die Berglandschaft auf der Fototapete. Im Flur hängt eine Landkarte der Dominikanischen Republik. Erika Makatsch, 66 Jahre alt, hat auberginefarbenes Haar und ein großartiges Lächeln. „Und was war das für ein Gefühl, damals, zum ersten Mal im Mercedes?“ – „Schon schön. Aber nicht so schön wie in unserem alten Wolga, einer russischen Staatslimousine, mit der sind wir nie kontrolliert worden, wenn wir zum Einkaufen in die CSSR gefahren sind.“ – „Und wenn nicht der Mercedes – was ist dann Ihr Traumauto?“ – „Egal. Hauptsache, nüscht Kleines“.
Dresden, 23.11.1999. Halter: Andreas Duschek, Kennzeichen: DD-DN 4698.
Andreas Duschek wusste, dass der Mann mit dem saharagelben Mercedes keine Chance hatte, so, wie er da vor dem glänzenden BMW Siebener stand. Duschek ist Autohändler, er kennt seine Kunden. „Es gibt Kunden, die um den Preis feilschen, und es gibt welche, die sich in ein Auto verlieben.“ Makatsch war einer von der letzten Gruppe. Sein Sohn hatte sich einen BMW gekauft, jetzt wollte er auch einen, und zwar genau diesen burgunderroten Siebener mit cremefarbenem Leder. Seinen alten Mercedes 200 ließ er Duschek da, für eine Mark. Duschek bekam feuchte Hände. Früher hatte er nachts an Westautos Firmenzeichen abgebaut, am begehrtesten waren Mercedes-Sterne, Mercedes-Benz- Schriftzüge aus einem glänzenden, schweren Metall – der ganze Westen schien in diesen massiven Silberbuchstaben zu stecken. Jetzt stand der Inbegriff seiner Träume von Wohlstand und Freiheit vor ihm, zwanzig Jahre älter, verbeult, angerostet, für nur eine Mark. Bei der ersten Fahrt in seinem 200er hat Duschek das Radio nicht angemacht, nur den Wagen genossen, einen Zigarillo geraucht, die Sitze mit dem echten Federkern und das gespürt, was auch im Westen das Ziel aller Träume war, das Mercedes-Gefühl, diese Mischung aus Wohnzimmer und technischer Perfektion und Geldgeruch.
Duschek liebt sein Auto wie ein Museum vergangener Träume. Jolanta hasst es. Sie fährt einen neuen Mitsubishi mit stofftierweichen Velourssitzen, und der Mercedes ihres Mannes ist für sie nichts weiter als ein alter, hässlicher Haufen Schrott. Als Duschek Jolanta am 27.Dezember 1996 in der Diskothek „Fun“ kennen lernte, war sie gerade 22. Einen Abend lang redeten die beiden nicht miteinander: Jolanta konnte kein Deutsch, Duschek nichts anderes. Nach einer Woche fuhr Jolanta zurück nach Lubin, Duschek blieb in Dresden und versuchte sie zu vergessen und dachte nachts an ihre Augen. Vierzehn Tage später stand sie mit einer großen Tasche vor seiner Tür. Die beiden heiraten; Jolanta bekommt ein Kind und lernt Deutsch, aber seine Liebe zu alten Mercedes- Limousinen bleibt ihr rätselhaft. Weswegen Duschek meistens allein zum Campingplatz „Talsperre Malter“ ins Ost-Erzgebirge fährt, zu seinen Campingfreunden. Die nennen den Mercedes „die Oma“. Wenn sie genug getrunken haben, probieren sie, wie viele Camper in den Kofferraum des Mercedes passen und fahren ein paar Runden über den Platz, und danach steht der alte, zusammengesackte Wagen wieder neben dem eingemauerten Campinganhänger wie eine eingestaubte Trophäe. Die Camper gehen dann mit ihren Badehosen am Heck des Wagens vorbei und sagen „Nu, die Oma!“ und klopfen kurz auf den Kofferraum der Limousine – so, als ob der alte Traum vom saharagelb-goldenen Westen auch nur ein trauriger Irrtum unter vielen war.