Der Mercedes W123 war das Mercedes-Mittelklasse-Modell von 1976 bis 1985 und mit 2,7 Millionen gebauten Exemplaren das bis heute erfolgreichste, weil meistverkaufte Modell der Marke mit dem Stern. Jedem bekannt als "Soeinenhattemeinvaterauchmal-Mercedes" oder oft auch "Der letzte echte Mercedes!"
Insbesondere im südwestdeutschem Raum gehört der W123 noch so selbstverständlich zum alltäglichen Straßenbild, daß kaum einem Außenstehendem erklärt werden kann, warum sich ausgerechnet um dieses Auto eine der größten Oldtimer-Szenen Deutschlands gebildet hat. "Der ist doch kein Oldtimer!" heißt es oft abschätzig, weil angesichts der alltäglichen Präsenz vergessen wird, daß alle W123 inzwischen schon über 20 Jahre alt sind.
Wie auch seine Vorgänger, der "Ponton", die "Heckflosse" oder der "Strichacht" hat auch der W123 absolut und prozentual seine zeitgenössischen Konkurrenten längst überlebt, den kantigen Audi 100, den nicht minder kantigen Ford Granada der zweiten Serie, den Opel Rekord E und Commodore B, dem 5er BMW der ersten Generation etc. Im Jahr 2004 waren vom W123 noch rund 70.000 Exemplare in Deutschland zugelassen - weit mehr als von so manchem Auto überhaupt gebaut wurden. Hinzu kommen nach zahlreiche seit mehr als 18 Monaten abgemeldete oder mit roter 07-Nummer bewegte Fahrzeuge, die aus der Statistik herausfallen. Hier darf eine größere vierstellige Zahl vermutet werden.
Und Hunderttausende - ja ohne Übertreibung kann man hier sogar eine siebenstellige Zahl vermuten - tun ihren Dienst vornehmlich als Taxis in südlichen Ländern vor allem im nahen Osten und Afrika. So mancher deutsche Tourist ob auf den Kanaren, Malta, Marokko, Tunesien oder Ägypten ist so wohl schon in die vertraute Rückbank eines 200 Diesel gesunken, wie schon 20 Jahre vorher daheim in Deutschland.
Der W123 hat sich also sowohl bei uns, als auch global gesehen, mit Erfolg dem bei anderen Autos üblichen Lebenszyklus entgegen gestemmt und das ist natürlich die erste Voraussetzung, um als Kultauto in den Panthenon des automobilen Kulturgutes aufgenommen zu werden. Die "Generation Golf" war nämlich auch die Generation W123 und sammelte ihre kollektiven Kindheitserinnerungen oft auf weichen Rückbänken hinter Hasenohrenkopfstützen und wurde auf langen Urlaubsfahrten vom beruhigendem Nageln eine Vorkammerdiesels in den Schlaf gesungen. Es ist genau diese Generation, die im Alltag in den Tücken des Computerzeitalters eine gewisse Sehnsucht zu der mechanischen Unverwüstlichkeit der "guten alten Dinge" entwickelt hat. Wer sich im Büro mit abstürzenden Programmen plagt, genießt es, ein Auto zu fahren, bei dem ihm kein Prozessor nicht existente Defekte melden kann. Der W123 ist für diese Leute das logische Auto, denn keiner seiner Zeitgenossen ist im Alltag so komfortabel, unproblematisch und sicher, so leicht zu reparieren und so wirtschaftlich.
Die Faszination dieses Autos und der Faszination der Szene drumherum sind Thema dieser Website.
Diese Seite ist meinem surfblauen 200T (Bild oben) - gewidmet, der im April 2001 in meinem Fuhrpark die emotionale Lücke füllte, die seit 10 Jahren durch die damals nicht erfolgte Übernahme des surfblauen 200 meiner Eltern klaffte - als späte Wiedergutmachung sozusagen. Ich wüßte gern ob und wo dieser 200 heute noch Dienst tut... Vermutlich tourt er heute irgendwo im nahen Osten herum und verdient seinem Besitzer den Lebensunterhalt.